Zeit verlangsamt sich, Erinnerungen nehmen Gestalt an.

texte zum jahresende

Das Jahr erzählen

Vier Tage Schreiben in einem Jugendstilhotel auf 1650 Metern, weil das vergangene Jahr es wert ist, erzählt zu werden

grand hotel bella tola · 17. bis 20. Dezember 2026


DER KURS

Blick zurück und nach vorn

Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, drängen die Erinnerungen von selbst an die Oberfläche: ein Gespräch, das nachhallt, eine Reise, die anders verlief als geplant, ein Abschied, ein Anfang, ein Moment, in dem sich etwas entschied. Das reflektierende Schreiben gibt diesen Erinnerungen eine Form. Es ordnet, was durcheinanderliegt, und macht sichtbar, was im Vorbeigehen kaum zu erkennen war.

Dieser Kurs warnt ausdrücklich vor dem Ehrgeiz der vollständigen Jahreschronik. Wer alles erzählen will, erzählt am Ende nichts. Was aber jeder schreiben kann, sind einzelne, in sich geschlossene Texte. Eine Szene, die das Jahr im Kern trifft. Ein Brief an einen Menschen, der wichtig war. Eine Rückschau, die zugleich nach vorn blickt. Solche Texte eignen sich als Weihnachts- oder Neujahrsgeschenk, als Beilage zur Karte, als Anfang von etwas Grösserem. Vor allem aber leisten sie, was keine Agenda und kein Fotoalbum leistet. Sie verwandeln das Erlebte in Erzähltes und wagen auch einen Blick nach vorn.

Peter Ackermann leitet den Kurs auf der Grundlage seiner Erfahrung als NZZ-Redaktor und Kursleiter. Er arbeitet mit erprobten Techniken des szenischen und biografischen Schreibens. Wie man Erinnerungen öffnet, wie man aus dem Erlebten Geschichten formt, die über das rein Faktische hinausgehen, wie man den eigenen Ton findet und hält. Die wertschätzenden Rückmeldungen in der Gruppe und im Einzelgespräch helfen, die Texte und den eigenen Stil zu verbessern.

Ausflug

Die Frau, die in den Hindukusch fuhr

Wenige Kilometer oberhalb von St-Luc liegt Chandolin, eines der höchstgelegenen ganzjährig bewohnten Dörfer Europas. Hier verbrachte Ella Maillart ihre letzten Jahrzehnte. Die Genferin war Skirennfahrerin und Seglerin, bevor sie zur bedeutendsten Reisejournalistin ihrer Zeit wurde. 1939 fuhr sie mit Annemarie Schwarzenbach in einem Ford von Genf nach Kabul, eine Reise, aus der ihr Buch «Der bittere Weg» entstand. Nach Jahren in Asien kehrte sie ins Wallis zurück und blieb bis zu ihrem Tod 1997 dem Val d'Anniviers treu.

Ihre Biografie ist ein Schreibanlass. Wer das eigene Jahr erzählen will, lernt von einer Frau, die ein ganzes Leben lang unterwegs war und dennoch wusste, dass jede Reise erst im Erzählen ihre Bedeutung findet. Bei gutem Wetter ersetzt ein Winterspaziergang den Ausflug in die Bücher. Kurze Wege, weite Blicke, die Viertausender des Wallis als Kulisse.

Das grand hotel

Schöne Belle Epoque

Das Grand Hotel Bella Tola wurde 1859 erbaut, in einer Zeit, als die ersten englischen Reisenden die Walliser Alpen entdeckten. «Wer das Bella Tola betritt, reibt sich verwundert die Augen. Der Charme des Fin de Siècle ist im original erhaltenen Speisesaal mit prächtigen Deckenfresken, in den Salons und Gästezimmern wunderbar präsent», schrieb das Magazin «LandLiebe». Das Haus wird von der Familie geführt und wurde über Jahre mit grosser Sorgfalt restauriert, wofür es als historisches Hotel ausgezeichnet wurde.

Die Zimmer sind individuell eingerichtet, mit altem Holz, Antiquitäten und Blick auf das Tal oder die Berge. Nichts ist inszeniert, alles ist gewachsen. Die Küche wurde mehrfach ausgezeichnet.

Ein Grand Hotel im Dorf: Das Bella Tola steht seit 1859 in St-Luc und hat sich den Charme der Belle Epoque bis heute bewahrt.

Unterkunft und anreise

Dem Nebel enthoben

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wohnen im Grand Hotel Bella Tola in Einzelzimmern. Die Mahlzeiten nehmen wir gemeinsam ein, Halbpension mit ausgezeichneter Küche. St-Luc liegt auf 1650 Metern an der Sonnenseite des Val d'Anniviers, im Dezember oft über dem Nebel und mitten im Winter.

Mit dem Zug nach Sierre/Siders, von dort mit dem Postauto in rund vierzig Minuten hinauf nach St-Luc. Ab Zürich dauert die Reise etwa vier Stunden. Die Anreise erfolgt individuell am Donnerstagnachmittag.

kursprogramm

Do, 17. Dez. Individuelle Anreise nach St-Luc, Begrüssung, und schon beginnt der Kurs. Die erste Übung führt direkt ins vergangene Jahr und wird möglicherweise der schlechteste Text sein, den Sie je geschrieben haben.
Fr, 18. Dez. Wie öffnet man eine Erinnerung? Wie wird aus einem diffusen Bild eine konkrete Szene? Morgens Theorie und Übung. Nachmittags bei gutem Wetter ein Winterspaziergang durch die Pracht der Walliser Alpen, bei schlechtem Wetter eine Begegnung mit der Reisejournalistin Ella Maillart, die ihren Lebensabend im Val d'Anniviers verbrachte.
Sa, 19. Dez. Vormittags und nachmittags Schreiben unter Anleitung. Rückblick und Vorschau, Geschichten und Briefe.
So, 20. Dez. Letzte Kursrunde. Wie schreibt man zu Hause weiter? Individuelle Rückreise zur Mittagszeit.

verwöhnprogramm

Bad in der Ruhe

Dezember ist die richtige Zeit, den Körper zwischen Schreiben und Wärmebad pendeln zu lassen. Das Bella Tola verfügt über einen Spa-Bereich mit Freibad im Schnee, Sauna und verschieden temperierten Becken. Nach den morgendlichen Schreibübungen und den Ausflügen können Sie sich hier in die Wärme zurückziehen, nachdenken, loslassen. Wer möchte, bucht zusätzlich einzelne Behandlungen dazu: Massagen, Körperpflege und wellness nach eigenem Rhythmus. Dies geschieht in Absprache bei der Anmeldung.

Das Bad ist weniger Club als Rückzugsraum, ausgestattet nach dem Minimalismus-Prinzip, das das ganze Haus durchwebt. Eine Einladung, still zu werden.

Spa-Bereich mit ungewöhnlicher Sicht aufs Matterhorn.

Leistungen & Buchen

Daten
17. bis 20. Dezember 2026, Donnerstag bis Sonntag
Preis
CHF 1590 pro Person im Einzelzimmer, inkl. Halbpension, Trinkgelder, Ausflüge, Kursleitung und Reisedokumentation
Gruppe
Mindestens 6, maximal 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Buchung
Über Baumeler Reisen, Luzern · Webcode 7982 · Beratung durch Claudia Kristensen, 041 418 65 74

Änderungen bleiben vorbehalten.